In den Nachrichten

Unterwegs mit Musik

Heute: Klaviertransporteure von Griffioen Transport

Kein alltägliches Bild: Ein Klavier hängt an einem Kranausleger über dem Deck eines Kreuzfahrtschiffs. Für den Fahrer Sebastiaan van Hoof (33) und seinen Kollegen Jeroen (25) ist das aber tägliche Arbeit: immer damit beschäftigt, schwere Musikinstrumente sicher zu befördern. TON (niederländisches Fachblatt für Transport und Logistik) war einen Tag lang mit den Männern von Griffioen Transport aus Bodegraven unterwegs.

TON-PianoVerhuizers-D4B_7285.jpg

Flügel umstellen

Ihr Lkw erscheint neben der dem riesigen Passagierschiff, der Rotterdam, wie ein Spielzeugauto. Das ehemalige Kreuzfahrtschiff der Holland-Amerika-Lijn (228 m lang und 61 m hoch) liegt am Kai. Es dient als Hotel, Restaurant und Kongresszentrum. Sebastiaan und Jeroen werden heute den Flügel umstellen, das bedeutet für sie, ihn von einem Deck zum anderen zu bringen. Der Transport wäre zwar über die Treppe möglich, aber mit dem Mobilkran geht alles viel schneller.

Keinen Moment bereut

Sebastiaan van Hoof aus Alphen aan de Rijn hat gleich nach seiner Schulzeit bei Griffioen angefangen. Heute, nach sechzehn Jahren, hat er seine Entscheidung für den Klaviertransport keinen einzigen Tag bereut. Er hat nicht vor, irgendwann noch etwas anderes zu machen. „Die Abwechslung, die Fahrten, den Kran zu steuern, die beste Lösung zu suchen: Das alles finde ich einfach spannend.“
Beifahrer Jeroen Olsthoorn aus Bodegraven arbeitet seit sieben Jahren bei Griffioen. Er ist nach seinem Praktikum einfach „hängen geblieben“. Zwischen den Klavieren fühlt er sich wie zu Hause. Auf die Frage, was er wohl in zehn Jahren machen wird, antwortet er: „Hoffentlich arbeite ich dann immer noch hier.“

TON-PianoVerhuizers-D4B_7234.jpg

Nicht so schwer

Sebastiaan steuert einen der drei Mobilkräne von Griffioen Transport. Der Teleskopkran ist bei voller Länge 21 m lang. Damit kann er in einem Hochhaus bis zum siebten Stock gelangen. Der Kran besitzt eine maximale Hublast von 500 kg. Das reicht für die meisten Klaviere, die im Schnitt ein paar Hundert Kilogramm wiegen. Ist das schwere Arbeit? „Das passt schon“, sagt Sebastiaan. „So auf den ganzen Tag verteilt ist es nicht schwer. Wenn man aber das Klavier mal heben muss, braucht es schon viel Kraft. Aber darin sind wir geschult. Man muss schon seine ganze Kraft einsetzen. Ein Klavier ist schließlich kein Bierkasten.“

Service leisten

Die Fachleute von Griffioen Transport bringen die Instrumente im In- und Ausland an die gewünschte Adresse. So werden Klaviere vom Importeur ins Klavierhaus und zu Privatpersonen gebracht. Im Laufe der Zeit hat Sebastiaan schon eine Menge „Klaviererfahrung“ gesammelt. „Ich bin neugierig und will immer gern dazulernen. Natürlich möchte ich guten Service liefern, dafür sorgen, dass der Kunde sofort Klavier spielen kann, nachdem wir das Instrument aufgestellt haben.“

TON-PianoVerhuizers-D4B_7363.jpg

Telescoop

Damit der Flügel, ein Yamaha C7 mit einer Länge von 2,27 m, von dem einen Deck auf das andere gebracht werden kann, muss der Teleskopkran komplett ausgefahren werden.

Kurz drücken

Ein Moment, an dem die Arbeit schwer werden kann: den Flügel lenken. Sebastiaan sagt: „Du musst ihn kurz nach oben drücken.“ Und Jeroen fügt hinzu: „Du hebst nicht das gesamte Gewicht, sondern nur einen Teil.“

Hose

An einem Kran hängen ein paar Hundert Kilogramm. Da darf absolut nichts schiefgehen. Sebastiaan und Jeroen ziehen dem Musikinstrument aus Bändern und Sperrklinken eine Art Hose an. Dreifach gemoppelt hält noch besser.

TON-PianoVerhuizers-D4B_7595.jpg

Klantcontact

„Ich stelle mich immer vor und gebe die Hand“ sagt Sebastiaan. Der Kontakt mit den Kunden ist eine der vielen schönen Seiten ihrer Arbeit. Jeroen: „Man besucht viele Menschen zu Hause und macht ihnen mit ihrem Kauf eine Freude.“ Diese Frau in Kwintsheul, die Besitzerin einer Imbissstube, hat ihrer Tochter ein Klavier gekauft. Das Instrument kann nicht durch die Imbissstube getragen, sondern muss in den ersten Stock gehoben werden.

TON-PianoVerhuizers-D4B_7660.jpg

Schwieriger Job

Das Fenster muss abmontiert werden. Gerade bei Privatleuten können sich schwierige Situationen ergeben. Sebastiaan: „Meist erkundigt sich unser Büro vorab. Manchmal sehen wir uns auch selbst die Lage vor Ort an.“

Nervös

„Die Leute sind fast immer sehr nervös“, erzählt Sebastiaan. Ein Klavier ist schließlich ein teures Instrument. Ein nagelneues kann ganz schön teuer werden. Aber auch ein altes Klavier, das man umzieht, kann wegen seines ideellen Werts unbezahlbar sein. Als das Klavier an der vorgesehenen Stelle steht, machen Jeroen und Sebastiaan zusammen mit der glücklichen Pianistin ein Foto. „Die Besitzerin hat sich das gewünscht“, fügt Jeroen geduldig hinzu.

TON-PianoVerhuizers-D4B_7786.jpg

Musik

Sebastiaan gibt die Adresse im Navi ein. Der Wagen ist kaum ausgeschmückt. „Aber die kleinen Vorhänge mag ich einfach. Und wir haben einen ausgezeichnetes Radio mit einem tollen Sound. Am Freitagnachmittag mit der Lieblingsmusik unterwegs nach Hause.“

Fotos: Marco Hofsté
Text: TON magazine